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niedrigwasserklimadatendatenvisualisierungstatistikclaude-code2. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Vom Artikel zum eigenen Index – Einfach erklärt

34 WASSERJAHRE × 365 TAGE · NIWIS/BFG
Zellenfeld aus 34 Zeilen und 365 Spalten: jede Zeile ein Wasserjahr, jede Spalte ein Tag, die Helligkeit steht für den Anteil der Pegel unter ihrem Niedrigwasser-Schwellenwert. Die hellen Bänder häufen sich in den unteren Zeilen.Zellenfeld aus 34 Zeilen und 365 Spalten: jede Zeile ein Wasserjahr, jede Spalte ein Tag, die Helligkeit steht für den Anteil der Pegel unter ihrem Niedrigwasser-Schwellenwert. Die hellen Bänder häufen sich in den unteren Zeilen.

Am 20. August veröffentlichte CORRECTIV den Fluss-Atlas: eine Untersuchung der Niedrigwasserlage an 356 deutschen Pegeln. Niedrigwasser ist der Zustand, in dem ein Fluss deutlich weniger Wasser führt als im Durchschnitt. Pegel sind die Messstellen an Flüssen, die täglich den Wasserstand und die Durchflussmenge aufzeichnen.

Das Ergebnis: An 214 dieser Pegel ist der jährliche Tiefpunkt zwischen 1992 und 2025 statistisch signifikant gefallen. Statistisch signifikant heißt: Der Rückgang ist groß genug, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Zufall ist. An 240 Pegeln liegt der niedrigste Wert der gesamten Messreihe im Zeitraum 2018 bis 2025. Der Artikel hat mich überzeugt.

Ob die Rechnung dahinter gut ist, konnte ich selbst nicht beurteilen. Ich habe Claude den Artikel vorgelegt und nachgefragt. Die Redaktion hat demnach einen sorgfältigen Test gerechnet: einen, der berücksichtigt, dass in solchen Messreihen jedes Jahr am vorigen hängt. Das ist mehr Aufwand als die naheliegende Methode. Auch die Einordnung im Text trifft: warum der Befund für Trinkwasser und Schifffahrt wichtig ist, ein Rheinpegel bei Kaub mit sechs Zentimetern.

Was mich an der Karte störte

Zum Artikel gehört eine Deutschlandkarte mit 356 farbigen Punkten. Ich habe sie eine Weile angesehen und konnte sie nicht lesen.

Die Farblegende zeigt Prozentwerte, aber es sind keine Prozentwerte im üblichen Sinn. Die Angabe „pro Jahr“ fehlt. Wer die Karte ohne Vorwissen ansieht, erfährt nicht, worauf sich die Zahlen beziehen.

Die Punktgröße wächst mit der Größe des Einzugsgebiets. Ein Einzugsgebiet ist die gesamte Fläche, aus der Regenwasser in einen bestimmten Flussabschnitt fließt. Für das Auge bedeutet ein großer roter Kreis erst einmal: stark betroffen. Die Größe sagt aber nur, wie viel Fläche der Pegel entwässert.

Am meisten störte mich die Rheinkette. Maxau, Worms, Kaub, Andernach, Köln, Duisburg, Rees liegen alle am selben Fluss. Jeder Pegel weiter unten misst weitgehend dasselbe Wasser wie der darüber, nur mit den Zuflüssen dazwischen. Auf der Karte wird daraus ein halbes Dutzend großer, sich überlappender roter Kreise. Der Westen sieht flächiger betroffen aus, als eine unabhängige Stichprobe zeigen würde.

Dabei hätte es die Alarmoptik gar nicht gebraucht. Der Befund hält der Nachrechnung stand.

Was wir daraus gebaut haben

Ich fragte Claude, was wir mit denselben Daten selbst anfangen können. Die Grundlage liegt offen: Die Bundesanstalt für Gewässerkunde gibt die täglichen Abflusswerte über eine öffentliche Schnittstelle heraus.

In den folgenden Arbeitstagen entstand eine eigene Auswertung: 361 Messstellen, rund 4,7 Millionen Tageswerte, Wasserjahre 1992 bis 2025. Ein Wasserjahr läuft nicht von Januar bis Dezember, sondern von November bis Oktober, damit die Niedrigwasserphase im Sommer nicht durch den Jahreswechsel zerschnitten wird.

Zwei Entscheidungen unterscheiden unsere Auswertung vom Fluss-Atlas.

Die Rheinkette auflösen

Wir haben die Pegel entlang der Fließrichtung verkettet und jedem nur die Fläche zugerechnet, die er zusätzlich zu den Pegeln über ihm entwässert. Dasselbe Wasser zählt dadurch nur einmal. Ein Pegel mit 3 Quadratkilometern Einzugsgebiet wiegt weniger als einer mit 159.000.

Die Dauer mitzählen

Der niedrigste Abfluss eines Jahres misst nur die Tiefe des Tiefpunkts. Wir zählen zusätzlich, an wie vielen Tagen ein Pegel unter seinem eigenen langjährigen Schwellenwert liegt, wie lang die längste zusammenhängende Phase war und wie viel Wasser über das Jahr fehlt. Der Unterschied: Der Median der Niedrigwassertage pro Pegel und Jahr steigt von fünf bis sechs Tagen im Zeitraum 1992 bis 2013 auf 45 Tage im Zeitraum 2014 bis 2025.

Beim statistischen Test sind wir CORRECTIV bewusst gefolgt, um vergleichbar zu bleiben. 224 von 359 Pegeln zeigen einen signifikanten Anstieg der Niedrigwassertage. Weil so viele parallele Tests auch Zufallstreffer produzieren, haben wir zusätzlich korrigiert. Danach bleiben 211.

Die Anteile landen nah an denen des Fluss-Atlas. An einer Stelle fast auf dem Punkt: Bei uns liegt der niedrigste Wert der Reihe an 69,6 Prozent der Pegel im Zeitraum 2018 bis 2025. CORRECTIV nennt rund 68 Prozent.

Was die Seite zeigt

Die Analyse steht jetzt im Menü dieser Seite, auf Deutsch und Englisch.

Das Bild oben in diesem Beitrag ist ihr Kernstück. Jede Zeile ist ein Wasserjahr, jede Spalte ein Tag. Die Helligkeit zeigt den Anteil der Pegel, die an diesem Tag unter ihrem Schwellenwert lagen. Man muss keine Statistik verstehen, um zu sehen, dass die hellen Bänder nach unten hin früher beginnen, länger dauern und breiter werden.

Darunter liegen Zeitreihen mit Umschaltern, Verteilungen nach Jahrzehnten, eine Stationskarte und ein Methodikteil, der jede Zahl zum Nachrechnen offenlegt. 2018 ist das trockenste Jahr der Reihe, danach folgen 2019 und 2022. Sieben der zehn trockensten Jahre liegen im Zeitraum 2015 bis 2025.

Der Programmcode der Auswertung ist öffentlich: AeternaLabsHQ/niedrigwasser-trendindex. Wer will, kann die ganze Rechnung selbst noch einmal laufen lassen.

Was die Auswertung nicht leistet, steht auf derselben Seite. Sie ordnet den Trend keiner Ursache zu. Über die Zukunft sagt sie nichts. Und das Messnetz hat Lücken: Aus den Landesmessnetzen von Niedersachsen, Bremen und Hamburg ist keine Station dabei.

Einen Punkt, an dem CORRECTIV klar vorn liegt, will ich nicht verschweigen. Der Artikel erzählt, was der Befund für Trinkwasser, Schifffahrt und Fische bedeutet. Unsere Seite erklärt sorgfältig, was gemessen wurde, und beantwortet nirgends, warum es zählt.

Beim Gegenlesen der fertigen Seite fiel mir eine Formulierung auf, die mich stutzig machte: In der Methodik stand, das Jahr 1991 sei ausgeschlossen worden, weil es den Trend verzerre. Das ist der falsche Grund, denn damit ließe sich jedes unpassende Jahr streichen. Der richtige liegt am Wasserjahr: Weil es schon am 1. November beginnt, fängt das Wasserjahr 1991 am 1. November 1990 an. Die Messreihe beginnt aber erst am 1. Januar 1991. Dem ersten Jahr fehlen deshalb die beiden ersten Monate, es hat 304 Tage statt 365. Wir haben die Begründung ausgetauscht.

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